Die Apotheke

Wenn eine Apotheke erzählen könnte ...

... anlässlich des 800-jährigen Jubiläums Ostens möchte ich meine Geschichte erzählen.

1808 erhielt der Oberndorfer Apotheker Riemann nach vielen vergeblichen Versuchen seit 1755 die Erlaubnis, mich, als Nebenapotheke zum Versuche zu eröffnen. Ich wurde bis 1853 von verschiedenen Provisoren geleitet, bis mein damaliger Verwalter Georg Polemann die Erlaubnis erhielt, mich als eigenständige Apotheke zu führen. Der ehemalige Besitzer in Oberndorf war über die entstehende Konkurrenz nicht erfreut. Mit Polemann hatte ich richtig Glück, er ging in seiner Aufgabe auf, bildete Lehrlinge aus und seine Revisionsberichte waren perfekt, bis er nach 29 Jahren wegen beginnender Senilität gezwungen wurde mich zu verkaufen. Meine nächsten Besitzer arbeiteten hart, sodass meine Revisionsberichte wieder glänzten. Ich bekam meinen Namen "EINHORN - APOTHEKE", der 1895 erstmals vermerkt wurde. Ein herrlicher Name, wie ich finde, wurden doch dem Einhorn (wobei es sich um Zähne des Narwals handelte) wahrlich wundersame Wirkungen zugeschrieben.

Doch die ruhigen Zeiten gingen vorbei, 1914 kaufte mich Erich Quensell, der leider wegen einiger Gaunereien bald gehen musste. Meine Verwaltung übernahm Apotheker Ohlandt aus Otterndorf, bis ich erneut verkauft wurde. Der nächste Besitzer blieb nicht lange, da er nie nachweisen konnte das Examen bestanden zu haben. Aber Ewald Axmacher erkannte mein Potenzial und übernahm mich 1926. Das waren vier spannende Jahre. Er ließ sich Arzneimittel patentieren, die er in ganz Deutschland vertrieb! Danach kaufte mich Heinrich Meyer, der mir bis zu seinem Tod 1956 treu blieb. Seine Witwe konnte sich nicht von mir trennen, sie verpachtete mich an den Apotheker Mangelsdorf. Er hatte viele Pläne, die jedoch für die hiesige Gegend etwas zu früh kamen. So wollte er schon damals den Bau einer Brücke über die Oste vorantreiben, was in Protokollen als Hirngespinst abgetan wurde.

Nachdem Mangelsdorf gegangen war, wurde ich fast zwei Jahre von Nachbarapothekern verwaltet. Dann fand Fritz Birnbacher zehn Jahre gefallen an mir, obwohl er das Rentenalter schon fast erreicht hatte, als er mich übernahm. Zu Jahresbeginn 1971 sah es düster aus, es fand sich kein neuer Pächter, ich wurde geschlossen. Doch es begann in meinen Mauern zu rumoren. Eiko Frerichs kaufte mich 1972 und gestaltete mich zur Neueröffnung am 16. Februar völlig um. Nach 29 Jahren übergab er mich an seine Tochter Dr. Edda Renelt. Zum ersten Mal in dieser langen Zeit konnte ich von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. 2012 bekam ich eine komplette Renovierung. Nun erstrahle ich in hellen Farben und doch finden Sie an vielen Stellen noch Zeugen meiner bewegten Geschichte, die schon über 200 Jahre die Arzneimittelversorgung in Osten sicherstellt.

 

Dr. Edda Renelt